Meine kleine Prinzessin, der ich eben noch die Nabelschnur bei ihrer Geburt durchtrennt habe, geht in den Kindergarten. Das ist nichts besonderes, es gehen ja jeden Tag viele Kinder in den Kindergarten. Für mich allerdings ist es schon etwas besonderes, denn ich mache die Eingewöhnung mit ihr, und es ist immerhin ein Meilenstein im Leben meiner Tochter. Und auch in meinem.

Da kommen viele Fragen auf, wie zum Beispiel, wie sind die Erzieher drauf? Sind die anderen Kinder lieb? Was ist wenn ein frecher Rohling meiner kleinen ihr Stofftier klaut, dass sie bei sich hat, um immer noch ein kleines Sicherheitsgefühl zu haben?
Papas gehen da mit einem ganz gemischten Gefühl ran. Auf der einen Seite wissen wir, es ist gut für kleine Prinzessinnen ihr soziales Verhalten mit anderen Kindern zu erlernen, und das in einem Umfeld in dem ihr nichts geschehen kann, auch wenn Papa nicht da ist.
Auf der anderen Seite ist das verdammt nochmal meine Tochter! Also nimm Deine fünfjährigen Finger von ihr und gib das Stofftier zurück!!! Du bist sowieso zu alt für sie!!! Ja solche oder ähnliche Gedanken können da schon mal aufkommen.

In der Praxis sieht das dann zum Glück anders aus. Ich musste feststellen das die Erzieherinnen wirklich nett und kompetent sind. Und auch die anderen Kinder sind ganz lieb. Sogar die Jungs, aber die habe ich im Auge…
Es lief schon am ersten Tag der Eingewöhnung alles ganz harmonisch ab. Ich merkte schnell das meine Tochter sich wohl fühlt, und sie spielte und malte drauf los.
Und dann geschah es, das Stofftier meiner Tochter wurde zur Begierde eines heranwachsenden 3 oder 4 Jährigen. Ich bin mir ziemlich sicher das er morgens allein in den Kindergarten kam. Auf einem Motorrad. Von oben bis unten Tätowiert. Mit all den Mädchennamen deren Herzen er gebrochen hatte. Ehrlich…
Egal!
Meine kleine unverdorbene Prinzessin sah nun auch wie sich der Rohling über ihr Kuscheltier her machte, und…. blies ihm den Marsch vom feinsten. Ehrlich er tat mir leid. Da stand dieser kleine Junge, schaute ganz traurig und verdutzt, vom Anschiss meiner Tochter. Und ich merkte, ok, die Prinzessin ist nicht immer vorhanden…

Das Band zwischen Müttern und ihren Kindern ist ein ganz festes. Und das Band zwischen Vätern und ihren Töchtern ein ganz besonderes! Darum machte ich mir schon am ersten Tag große sorgen, vor der ersten Trennung, die in der Eingewöhnungsphase ja leider früher oder später bevorsteht.
Die Trennungsangst, die meine kleine durchleben wird, tut ja nicht nur ihr weh sondern auch mir. Ich hörte sie schon weinen bevor wir überhaupt im Kindergarten waren. Das machte mich fertig. Ich habe mir schon Tage vorher immer wieder gesagt, “Du schaffst das, DU SCHAFFST DAS”. Und doch wusste ich, wenn es dann zur ersten Trennung kommt brauche ich meine gesamte Kraft, um den Tränen und dem Schluchzen meiner Tochter zu widerstehen. Eventuell wird sie nach mir rufen, und betteln das ich bleibe… aber leider muss ich dann stark bleiben. Denn zu diesem Erlebnis gehört eben auch, dass sie lernt das Papa immer wieder zurück kommt. So lernt sie das es gar nicht schlimm ist wenn sie allein im Kindergarten bleibt.

Der Zeitpunkt rückte näher, und die Erzieherin, die sich praktisch die gesamte Zeit ausnahmslos mit meiner Tochter beschäftigte, gab mir ein Zeichen das ich mich verabschieden solle.
Ich ging mit Bauchschmerzen zu meinem kleinen Engel, der mich liebte (klar ich bin ihr Papa), und sagte “Schatzi, Papa muss mal ganz schnell raus gehen und etwas besprechen. Ich komme gleich wieder”
Sarah schaute mich an und sagte “Tschüüüß Papa” ließ mich stehen, und spielte weiter.

Ich spürte sie eindeutig, die Trennungsangst… tapferes Mädchen, nur um mich zu schützen blieb sie stark. So sehr liebt sie mich. Das rede ich mir zumindest von nun an ein…

Veröffentlicht durch: Mike Hardel

2 Gedanken zu „Papa und die Trennungsangst

  1. Die Trennungsgeschichte von Papa und seiner Tochter ist super. Sie erinnerte mich daran, als ich meinen Sohn zum ersten Mal, vor über 45 Jahren in den Kindergarten brachte. Mir ging es ähnlich

    • Das freut mich sehr, das Ihnen meine kleine Geschichte gefallen hat. Inzwischen ist Sarah sehr gut dort im Kindergarten angekommen, und ich gehe gleich nachdem ich die kleine gebracht habe.
      Allerdings kommt noch die Eingewöhnung wenn sie dort das erste mal schlafen soll. Ich habe das Gefühl das ich dann wieder einiges zu berichten habe 😉

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